Melbourne - Ein Liebesbrief in 14 Teilen

1. Free Guided Tour und die Innenstadt

Vom gleichen Anbieter wie in Sydney finden in Melbourne täglich zwei Touren statt, die an der State Library of Victoria starten. Die Tour deckt den CBD (Central Business District, also den Innenstadtring) ab und gibt einen sehr guten Überblick über Museen, Attraktionen, Essen und Ausgehen. Das einzige Manko ist, dass mit keiner Silbe der „Shrine of Remembrance“ erwähnt wurde (siehe Punkt 4). Ansonsten war die Tour spaßig, informativ und wie immer konnte man alle möglichen Fragen loswerden. Eine der zentralsten Straßen in Melbourne, die George Street wird bis 2018 umgebaut und komplett „autofrei“, daher wird es in Melbourne bis dahin zu großem Verkehrschaos kommen. Im CBD kann man sich kostenfrei mit der Straßenbahn bewegen und wenn ihr die anderen Stadtteile entdecken wollt, bietet sich die myki Card der örtlichen Verkehrsbetriebe an.

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2. Die Stadtteile von Melbourne

Melbourne wird noch schöner, wenn man sich außerhalb des CBD begibt. Jeder Stadtteil hat so seine Eigenheiten: South Yarra ist jung und hip (wie in Hipster) mit aufstrebenden Designern und schicken Cafés, St. Kilda ist das Gegenteil - urban, alternativ und hip (wie in Hippie). In Carlton finden sich die Australier italienischer Abstammung und somit auch viele italienische Restaurants, Pizzerien und Cafés. In Fitzroy und Collingwood gibt es Streetart, Diskotheken, Bars und Clubs und einen kulturellen Mix aus der ganzen Welt, der sicher nicht jedem zusagt. Lasst euch durch die Straßenzüge treiben, trinkt einen Kaffee oder ein leckeres Craft Beer und genießt das Nachtleben außerhalb des CBD. Konkrete Empfehlungen (siehe Punkt 5) können wir leider noch nicht liefern, denn die Zeit war einfach nicht ausreichend.

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3. Harbour Park

Der westliche Bereich des CBD liegt direkt am Wasser. Rund um die Harbour Esplanade gibt es einige Geschäfte, Shoppingmöglichkeiten, Restaurants und einen tollen Ausblick auf den Hafen. Von hier starten auch Rundfahrten im Hafen. Wir können keinen Anbieter empfehlen, aber bei www.thatsmelbourne.com.au findet ihr eine gute Übersicht der verschiedenen Anbieter. 

Wir haben bei unserem Docklands (so wird das gesamte Gebiet genannt) Besuch ein großes Hafenfest miterlebt. Dadurch gab es überall Essenstände, Musik und verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen, die sich vorgestellt haben. Wir haben die Atmosphäre und den Ausblick auf den Hafen, die Segelschiffe und Yachten genossen. In der Nähe gibt es noch das „Harbour Town Shopping Centre“ mit einem großen internationalen Food Court und einem Riesenrad, von dem man die Aussicht genießen kann. Uns war das allerdings zu teuer und wir haben auf den Spaß verzichtet.

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4. Shrine of Remembrance

Einige der denkwürdigsten Stunden unserer Reise verbrachten wir im Shrine of Remembrance” (wörtlich: Schrein der Erinnerung/des Gedenkens). Es ist Erinnerungsstätte, Museum, Huldigung der Soldaten, die für ihr Land in den Krieg zogen - alles in einem. 

Ursprünglich entstand das Monument als Gedenkstätte nach dem 1. Weltkrieg, es wurde jedoch stetig erweitert und bietet nun ein großes Besucherzentrum, eine umfangreiche Austellung zu beiden Weltkriegen und auch zur aktuellen Kriegsentwicklung in der Welt. Beeindruckt hat uns die „nicht nationalistische“ Sichtweise und die Darstellung aller politischer Lagen in der Welt zum Zeitpunkt der Kriege. Wir haben bei zwei Besuchen leider nicht alles geschafft, da wir jeweils zu spät ankamen und das Museum um 17 Uhr schließt.

Eine rührende Begegnung hatten wir kurz nach der Schließung. Jeden Abend ertönt die australische Nationalhymne und die Flaggen vor dem Museum werden offiziell eingerollt. Via Lautsprecherdurchsage werden die Besucher gebeten innezuhalten. Neben uns lärmte eine asiatische Gruppe beim Selfie produzieren und verhielt sich alles andere als angemessen. Direkt danach kam ein älterer Mann auf uns zu und bedankte sich für unsere Anteilnahme. Es war ein Obdachloser, er erzählte uns unter Tränen, dass sein Vater im Krieg fiel und er jeden Abend hierher kommt um ihm zu gedenken. Er bedankte sich mehrfach, fragte noch woher wir kamen, wünschte uns Glück auf all unseren Wegen und lief von dannen. Ich schaute Carsten an und war dankbar, dass wir zu Themen wie Respekt und Verhalten in anderen Ländern eine gleiche Einstellung haben. Die Asiaten hatten einen bitteren Beigeschmack bei dem Besuch eines so geschichtsträchtigen Ortes hinterlassen. 

Man sagt „Reisen bildet“ und ich glaube, dass uns unsere Reise noch mehr bewusst macht, wie friedlich, privilegiert und glücklich unsere Heimat in Deutschland ist. Unser Leben ist einzigartig und wir sollten nicht davon ausgehen, dass dies der Normalfall in dieser Welt ist. Ich bin dankbar, für meine Erziehung, meine Familie, meine Freunde und den tollsten Ehemann der Welt, der diese Werte teilt und versteht warum mich solche Begegnungen zu Tränen rühren.

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Entschuldigung für den kleinen Exkurs, aber es war mir wichtig, dies mal anzubringen! Nun geht es weniger gefühlsintensiv weiter.

 

5. Essen und Restaurants

Melbourne ist ein Traum für Essensliebhaber. Egal was ihr sucht, ihr werdet es finden. Chinatown, die griechische Gemeinde, Italiener in Carlton, Exklusives oder günstigen Streetfood, Märkte. Lasst euch treiben oder recherchiert vorher oder fragt einfach jemanden auf der Straße. Aber bitte umgeht die bekannten Ketten und probiert etwas anderes aus. 

Für diejenigen, die auf der Suche nach Kängurufleisch sind empfehlen wir das Napier Hotel in Fitzroy.

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6. Chinatown

Eine der meistbesuchten Attraktionen ist das gesamte Viertel von Chinatown. Mehr zur Geschichte von Chinatown gibt es auf www.chinatownmelbourne.com.au. Wir haben uns ohne große Recherche aufgemacht und dabei kleine Straßen entdeckt, unendlich viele Restaurants, Bäckereien und ganze „Food-Halls“ in denen es alle verschiedenen asiatischen Küchen gibt. Gegessen haben wir dort, wo viele Menschen anstanden und es gab mega leckere Dumplings. Das Restaurant heißt Shanghai Street und findet sich unter dieser Adresse: 146 Little Bourke St, Melbourne VIC 3000, Australien. Ein Besuch im Chinese Museum“ wurde uns empfohlen, hierzu fehlte uns leider die Zeit.

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7. Verrückte und versteckte Bars

Überall im CBD soll es versteckte Hinterhof Bars geben. Ein paar davon sind natürlich nicht mehr ganz so geheim. Trotzdem war es für uns ein besonderes Erlebnis, als wir gerade eine neue Straße mit Graffitis gefunden hatten und zwischen Mülltonnen und Metalltüren ein unscheinbarer Eingang und ein Schild für eine Bar auftauchten. Wir hatten in der Free Guided Tour vom „Croft Institute“ gehört, uns allerdings nicht weiter Gedanken zum Weggehen gemacht und nun standen wir direkt in dieser Bar. Alles scheint hier etwas unheimlich und düster, aber der Bartender war super freundlich, es gab eine große Auswahl an Absinth und verschiedenen Cocktails. Vieles wird hier in Reagenzgläsern serviert. Zu den Drinks können wir leider nichts sagen, da es uns noch zu früh zum Trinken war.
Was wir allerdings ausprobieren mussten war die Empfehlung der „Berlin Bar“ in Chinatown. Diese Bar hat zwei Seiten - Ost und West. Deutlich getrennt, komplett unterschiedlich eingerichtet. Leckere Cocktails mit unschlagbar kreativen Namen und teils alten Rezepten haben uns einen tollen Abend mit „Flammenwerfer“ und „Ziege“ beschert.

Wer noch mehr Bars in Melbourne sucht kann hier schauen:

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8. Streetart

Streetart und Graffiti Kunst gehört zu Melbourne als Sehenswürdigkeit, wie der Eifelturm zu Paris, die Oper zu Sydney oder das Empire State Building zu New York. Ohne würde irgendwie etwas fehlen und es macht die Stadt zu einem besonders beliebten Ort für Künstler, Musiker und andere Freigeister. Alle was ihr zu den Kunstwerken und Örtlichkeiten wissen müsst, findet ihr in diesem Artikel.
Beim Spazierengehen in den Stadtvierteln, weit ab vom CBD, finden sich mindestens genauso schöne Kunstwerke. Das Flair ist einfach schwer zu beschreiben und für mich hat es diese Stadt nur noch schöner gemacht. Wegen der Vielfalt und Akzeptanz dieser Kunst mag ich Melbourne vielleicht ein ganz kleines bisschen lieber als Sydney.

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9. Queen Victoria Market

Groß, vielfältig und alles was man braucht. Auf diesem Markt hat alles seinen Platz. Örtlicher Versorgungspunkt der Einheimischen, genauso wie Touristenmagnet. In den unendlich langen Gängen der Hallen findet sich frisches Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Obst und Gemüse, Delikatessen und Spirituosen jeder Art. Im Außenbereich gibt es von bunten Stoffen, Technik, Lederwaren, kleinen Designlabels für Einrichtung und Kleidung bis zum Touristennippes alles, was das Herz begehrt. Plant Zeit ein, damit ihr auch das Treiben beobachten könnt. Schnappt euch einen Kaffee und setzt euch in der Mittelgang und schaut den Gauklern und Musikern zu, die die Leute unterhalten. Oft finden auch besondere Events, Themenmärkte oder Partys statt. Am besten schaut ihr vorher auf der offiziellen Webseite des Queen Victoria Market vorbei.
Das war definitiv ein guter Start ins Wochenende.

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Tipp: Es gibt einen netten Blumenhändler der kleine Blumensträuße auslegt. Ihr könnt diese kostenfrei mit nach Hause nehmen. Schaut mal hier.

 

10. South Market

Noch ein Markt? Ja und es lohnt sich! www.southmelbournemarket.com.au

Der South Market ist wesentlich kleiner als der Queen Victoria Market, aber steht ihm in nichts nach. Dieser Markt ist weniger touristisch und wird von vielen Einheimischen genutzt. Außerdem gibt es ein wesentlich besseres Angebot an kleinen, frischen Restaurants direkt am Markt. Von süß bis deftig ist hier alles dabei, um sich am frühen Morgen zu stärken oder am frühen Abend den Tag mit einem leckeren Drink ausklingen zu lassen. Besonders für die häusliche Einrichtung gibt es hier viele individuelle Angebote von kleinen Händlern, Unikate quasi.
Würde ich in Melbourne wohnen, wäre ich hier wohl am Wochenende anzutreffen. Für mich hatte der Markt ein gemütlicheres Flair als der QVM. 

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11. Museen

Zeit für einen Museumsbesuch haben wir uns nicht genommen. Einige Museen in Melbourne sind kostenlos. Wir haben einige Empfehlungen während der „Free Guided Tour“ bekommen und diese aufgelistet.

  • Melbourne Museum - Geschichte und Naturkunde
  • National Gallery of Victoria - Kunstmuseum aus allen Teilen der Welt mit über 70.000 Exponaten, die Dauerausstellung sind kostenfrei zugänglich
  • Old Melbourne Gaol - Siedlungsgeschichte, der berüchtigte Stadtbürger Ned Kelly, Gefängnis- und Justizgeschichte der Stadt Melbourne
  • National Sports Museum - Australische Sportgeschichte
  • Hellenic Museum - Griechisches Kulturmuseum, Melbourne hat einer der größten griechischen Gemeinden außerhalb von Europa

 

12. Walk in the Park und der Botanische Garten

Von South Yarra aus lässt es sich wunderbar am Yarra River entlangschlendern. Hier treffen sich die Leute zum Entspannen, Joggen, Gassi gehen oder auf einen Spaziergang im Botanischen Garten, der direkt an den CBD grenzt. Man kann den Blick auf die Hochhäuser von Melbourne genießen, sowie auf das „Sportviertel“ mit dem Melbourne Cricket Ground, dem National Sports Museum, Olympic Park, der Rod Laver Arena (uvm.) oder die tolle Pflanzen- und Blumenwelt entdecken.

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13. Pinguine in St. Kilda

St. Kilda ist vor allem für sein pulsierendes Nachtleben und die schöne Strandpromenade bekannt, aber es gibt noch ein paar einzigartige Bewohner, die sich nur abends blicken lassen. Läuft man bis zum Ende des Piers findet sich die zweitgrößte frei lebende Pinguinkolonie in Australien. Es handelt sich um die „Blue Penguins“, die kleinsten ihrer Gattung. Jeden Abend kehren sie in ihr zu Hause auf die Felsbrocken am Pier zurück und lassen sich von Touristen bestaunen. In der Regel ist auch ein netter „Volunteer“ vor Ort, der mit einer roten Lampe hilft die kleinen Pinguine im Dunkeln auszumachen. Sie sind sehr lichtempfindlich und sollten daher weder mit Blitzlicht fotografiert, noch mit normalen Taschenlampen oder Handys angeleuchtet werden. Die Fotos sind leider nicht sehr gut geworden, was trotz Stativ dem mangelnden Licht zuzuschreiben ist. Die kleinen flauschigen Pinguine werden mir dafür umso mehr im Gedächtnis bleiben. Sie waren einfach zu knuffig, wie sie so vor uns von einer Felsseite auf die andere watschelten. Trotz kaltem Wind und leichtem Nieselregen war das ein ganz besonderer Abend.

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14. In der Nähe von Melbourne

Empfehlen möchten wir an dieser Stelle noch die „Dandenons“ und die „Mornington Peninsula“. Mehr dazu gibt es in einem separaten Artikel: hier!

Was wir leider nicht geschafft haben, aber von allen Seiten empfohlen wird und in jedem Australien Reiseführer vorkommt:

  • Philipp Island - größte Pinguinkolonie
  • French Island - rund 70% der Inselfläche sind Nationalpark
  • Great Ocean Road - sehenswerte Küstenstraße mit kleinen Ortschaften und traumhafter Landschaft
  • Kangaroo Island - drittgrößte Insel Australiens mit reicher Flora und Fauna und einem der ältesten Bienenschutzgebiete

 

Mein persönliches Schlusswort zu Melbourne

Melbourne hat mich in seinen Bann gezogen und ich möchte unbedingt zurückkommen oder vielleicht auch mal eine Zeit lang hier leben, um einzutauchen in diesen Mix aus konservativer Businesswelt und alternativen Kunst- und Kulturveranstaltungen. Wie immer reicht die Zeit als Tourist nicht annähernd aus, um eine Stadt vollkommen zu verstehen, aber für mich hat es zum Verlieben gereicht.

kussmundFranzi

Letzte Änderung am Dienstag, 22 Dezember 2015 12:52

Frenchy

Frenchy hört auch auf Franzi als Rufnamen. Sie kümmert sich liebend gern um ihre Mitmenschen. Liebt Volleyball und ihre verrückten SFD Mädels in Düsseldorf. Musikalisch kann man sie derzeit vor allem mit Montreal, den I Heart Sharks und Singer-Songwriter Musik begeistern. (Achtung: stetiger Wechsel nach Laune vorprogrammiert)

2 Kommentare

  • Martin

    gepostet von Martin

    Mittwoch, 13 Januar 2016 15:34

    Happy new year.
  • Tabitha

    gepostet von Tabitha

    Dienstag, 15 Dezember 2015 22:48

    Eine sehr schöne Übersicht. Da muss man doch gleich übers Wiederkommen nachdenken;-)

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