Die ursprüngliche Entscheidung für die Strecke Sydney - Melbourne, entlang der Küste der beiden Bundesstaaten New South Wales und Victoria, war bei der Buchung im letzten Jahr noch nicht so ganz klar. Im Laufe der Zeit holten wir uns viele Meinungen und Erfahrungsberichte von Australien Besuchern ein und machten uns unsere eigenen Gedanken dazu. Natürlich empfehlen einem viele den Norden, die Goldküste oder das Great Barrier Reef. Wir wollten allerdings abseits der typischen Touristenstrecken unseren eigenen Weg entlang der Küste erkunden. Letztendlich entschieden wir uns, auch aus privaten Gründen dafür, nämlich um die Verwandten eines guten Freundes etwas südöstlich von Canberra (bei Bega) zu besuchen und etwas von dem lokalen australischen Leben und dessen Kultur hautnah zu erfahren.

Doch beginnen wir ganz am Anfang.

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(externer Link)



Blue Mountains und Jenolan Caves

Nachdem wir unseren Mietwagen am Flughafen abgeholt hatten, führte uns unser Weg als ersten Stopp in die Blue Mountains westlich von Sydney. Bekannt für die „Three Sisters“, gibt es doch weitaus mehr als nur diese Steinformation und deren Aussichtsplattform. Das Gebiet ist riesig und besteht aus kilometerlangen Gebirgsketten, steilen Abhängen, Wasserfällen, Wäldern und Wanderwegen verschiedener Dauer und Schwierigkeitsstufen. Wir fuhren in ein kleines verschlafenes Städtchen namens Katoomba. Unser erster Eindruck der Region war von riesigen Rauchwolken geprägt. An diesen Tagen wurden (mal wieder) einige Wälder, kontrolliert, abgebrannt um größere Brände im Hochsommer zu vermeiden. Wie wir im Laufe der Reise festgestellt haben, ist dieses regelmäßige Abbrennen der Wälder absolut normal und die gängige Praxis der Regierung.

Nach unserer Ankunft fuhren wir in das örtliche Besucherzentrum um uns eine Wanderkarte für den nächsten Tag zu besorgen. Am Abend lernten wir beim Kochen im Hostel wieder einmal zwei Deutsche kennen. Sie waren für ein Jahr auf Kiribati (eine Insel im Südpazifik) im Auftrag einer deutschen Kirchenmission und halfen dort als Lehrer und Betreuer in einer Schule aus. Auf ihrem Rückflug nach Deutschland durften sie noch eine Woche Urlaub in Australien verbringen. Für die Nacht waren Temperaturen um die null Grad angesagt. Vor ein paar Wochen hatte es in den Blue Mountains sogar noch geschneit! Alle Betten waren zum Glück mit Heizdecken ausgestattet und es gab weitere Wolldecken obendrauf. Dass die Australier es mit Heizungen und doppelglasigen Fenstern nicht so haben, hatten wir bis dato noch nicht ganz realisiert. Gefroren haben wir diese Nacht jedoch nicht.

Am nächsten Morgen ging es nach einem kräftigen Frühstück zum Start des großen Wanderweges „1000 Steps“ (1000 Stufen). An dieser Stelle befindet sich ebenfalls eine beliebte Touristenattraktion -die „Scenic World“. Wir schauten uns kurz um und waren interessiert an den Preisen. Man kann zwischen einer Seilbahnfahrt über den Abhang zur anderen Seite der Klippe, einer Seilgondel oder einem kleinen einspurigen Zug nach unten ins Tal wählen. Die Preise und der Touristenandrangs sind hoch. Besonders beliebt scheint dieses Ausflugsziel bei Asiaten zu sein. Wir starteten direkt neben der „Scenic World“ unsere Wanderung und entdeckten dabei immer wieder kleine und größere Wasserfälle (z.B. den „Witches Leap“ - witch = Hexe, leap = Vorsprung in einem Berg - Könnt ihr im zweiten Bild etwas in der Steinformation erkennen?), beeindruckende Ausblicke auf die Klippen und das Tal und eine sehr interessante Baum- und Pflanzenvielfalt. Unten angekommen trafen wir auf die Touristen der Gondelbahn und des Zuges. Gerne wären wir hier noch etwas weitergelaufen bzw. zu Fuß wieder nach oben gewandert, jedoch waren am unteren Ende (vielleicht bewusst?) keine Toiletten vorhanden. Somit entschieden wir uns, die Gondelbahn zusammen mit den anderen Touristen auf dem schnellen Weg (ca. drei Minuten) wieder nach oben zu fahren, was uns ca. 25€ kostete.

BlueMountains1
BlueMountains2
BlueMountains3
BlueMountains4
Wir hätten hier in dem Gebiet noch Stunden oder Tage mit Wandern verbringen können, doch wir hatten nur zwei Tage für die Blue Mountains eingeplant. Noch am Nachmittag fuhren wir ein Stück weiter zu den Jenolan Caves, den ältesten zugänglichen Kalksteinhöhlen der Welt (340 Millionen Jahre). Der Weg dorthin war länger als gedacht und abenteuerlich, denn er führte durch enge Serpentinen und an steilen Abhängen der Blue Mountains entlang. Jedoch war das Ziel die Reise wert, denn es gab insgesamt 11 von 20 erschlossenen Höhlen zu besuchen. Wir sahen unsere ersten Wombats und Kängurus, leider nur tot am Straßenrand. Wir erwischten eine der letzten beiden Führungen. Mit einer kleinen Touristengruppe und einem Führer ging es gegen halb sechs in die Unterwelt der „Chifley Cave“. Natürlich kennt man Tropfsteinhöhlen aus Deutschland (z.B. die Marienglashöhle oder die Feengrotten in Thüringen), doch das was wir hier gesehen haben, entsprach einer anderen Dimension. Mehrere aneinander und übereinander gelagerte riesige Höhlen gab es hier zu bestaunen. Wir wurden über Treppen und schmale Tunnelgänge durch mehrere Räume geführt. Die Führung ging viel zu schnell vorbei, während wir über die Entstehung der Höhlen und der verschiedenen Salzformationen aufgeklärt wurden. Der Führer hatte zwischendurch das Licht mehrfach auf eine Taschenlampe oder ein Feuerzeug reduziert, um zu zeigen, wie im 19. Jahrhundert die Höhlen erforscht und erste Führungen mit Touristen durchgeführt wurden.
Der Preis für eine Höhlenführung für einen Erwachsenen betrug 20€. Jede weitere Buchung ist um 50% reduziert. Direkt an den Höhlen ist es auch möglich zu übernachten. Das ermöglicht mehrtägige Höhlentouren. Weitere Infos findet ihr auf der oben genannten Webseite.

JenolanCaves
Einen großen Reiz hatte die angebotene Nachtführung von 20-22 Uhr, welche eine Tour durch verschiedene Höhlen abseits der üblichen Pfade und Geschichten über Geister und Legenden versprach. Doch nach dem anstrengenden und aufregenden Tag und der bevorstehenden Rückfahrt durch die Berge bei Dunkelheit konnten wir daran leider nicht mehr teilnehmen und machten uns wieder auf dem Weg zurück nach Katoomba.

Wollongong & Kiama

Für die nächsten Tage entlang der Küste war leider schlechtes Wetter angesagt. Es regnete fast durchgehend von früh bis spät und wir hielten uns mehr im Auto oder in Cafés auf um dem Regen zu entfliehen. Trotzdem versuchten wir Übernachtungen per Couchsurfing zu bekommen, was erstaunlich gut gelang.
Wir fuhren durch kleine beschauliche Küstenstädtchen wie Wollongong, Kiama oder Vincentia meistens mit langen Stränden, vielen Bars, Cafés und schönen Strandmeilen. Im Sommer bei entsprechenden Temperaturen sind diese Orte sicherlich sehr reizvoll.
Immer wieder verblüfft sind wir auch von den Öffnungszeiten von normalen Geschäften, sowie Cafés. Die meisten schließen (selbst am Wochenende) schon um 16 oder 17 Uhr. Bis auf Bars, Restaurants und Supermärkte ist dann in den Kleinstädten abends nicht mehr viel los und die Straßen wirken wie ausgestorben.
Wollongong hat eine wunderschöne Strandpromenade an deren Ende sich ein großer Leuchtturm befindet. Ein paar Kilometer weiter in  Kiama ist das Blowwhole an der Steilküste sehr zu empfehlen. Leider waren wir tagsüber bei zu wenig Seegang vor Ort, sodass leider kein Wasser empor spritzte.


onthewaytoTathra

Bega, Tathra und Potoroo Palace

In Bega hatten wir große Erwartungen an den Besuch der Käsefabrik „Bega Cheese Factory“. Leider wurden wir enttäuscht und fanden vor Ort lediglich ein sehr kleines Besucherzentrum vor. Werksführungen oder direkte Produktionsstättenbesichtigungen sind leider nicht möglich. Neben einem kostenlosen Museum zur früheren Käseherstellung, mit alten Ausstellungsstücken, gab es ein Café und die Möglichkeit alle verschiedenen Käsesorten zu verkosten. Die Auswahl war groß, denn die Fabrik stellt aktuell ca. zehn verschiedene Sorten her, davon sind aber nicht alle im Handel erhältlich. Wir probierten uns durch die angebotenen Sorten und entschieden uns letzten Endes für ein großes Stück der Vintage Heritage Sorte. Dieser glänzte mit einem kräftigen und würzigen Geschmack. Alle anderen Käsesorten waren uns leider zu schwach im Geschmack. Wie überall in Australien wird Käse üblicherweise nicht als Schnittkäse, sondern im 500g Block verkauft. Während unsere Zeit in Australien konnten wir ein paar dieser Blöcke probieren, leider schmeckt nichts davon nach richtigem Käse, wie wir ihn aus Deutschland kennen.

BegaCheesefactory
Danach fuhren wir nach Tathra um den Bruder eines unserer besten Freunde zu treffen, der eine Australierin geheiratet hat. Wir wurden herzlich von Steffen und Amy empfangen, kochten zusammen und genossen leckeren Wein den wir auf dem Weg in einem kleinen Weingut verkostet und gekauft hatten und der leider nicht außerhalb von Australien zu bekommen ist (Two Figs Winery). Den Abend verbrachten wir mit Quatschen und dem Brettspiel Domination, dessen Spielprinzip und Komplexität uns sehr begeistert hat. Nebenbei konnten wir sehr viele Fragen an Amy loswerden (u.a. zur Schuluniform, den langen Nummern auf Briefkästen, den Buchstaben „L“ und „P“ auf den Autos). Am nächsten Morgen hatte Amy glücklicherweise frei und wir nutzten die halbe Stunde, in der der Regen Pause machte und begaben uns auf einen kleinen Spaziergang durch Tathra. Es ist wunderschön verschlafen, hat nur eine Handvoll kleine Alltagsgeschäfte und eine tolle Bucht mit Sandstrand. Wir fuhren nachmittags erneut nach Bega, um die nächsten Tage zu planen und noch etwas fürs Abendessen einzukaufen. Der zweite Abend ähnelte dem Ersten sehr, es wurde gekocht (Pizza auf Polenta Teig und ein Zitronenkuchen mit Baiserhaube), diskutiert und weitere Spiele gespielt. Wir genossen die gemeinsame Zeit mit Amy und Steffen sehr und waren doch etwas traurig, dass wir schon am nächsten Morgen aufbrechen mussten.

TathraCoast
TathraCoast2
BalconyViewSteffenandAmy
FoodatSteffenandAmy
Nach einem leckeren Frühstück verließen wir Tathra und fuhren zum Potoroo Palace, einer bekannten Tierauffangstation der Region. Hier sollten wir nun endlich unsere ersten Kängurus, Koalas, Wombats und weitere in Australien heimische Tiere antreffen. Die Tiervielfalt war riesig. Es gab jede Menge Papageien, Emus, Dingos und natürlich jede Menge Kängurus und Wallaby‘s zu sehen. Wie ihr den Fotos entnehmen könnt, waren die Kängurus und Emus sehr an den Menschen gewöhnt und fraßen uns aus der Hand. Nur die Koalas und Wombats ließen noch auf sich warten und waren an diesem Tag nicht oder kaum sichtbar. Anfangs noch trocken brach plötzlich wieder ein Regenschauer los und wir flüchteten uns ins Café. Bei einem warmen Tee und nah am Ofen, zum Trocknen der Kleidung kamen wir so mit dem Eigentümer ins Gespräch. Leider scheinen immer wieder „Freiwillige“ ihre Hilfe anzubieten, die dann nach einem halben oder ganzen Tag nie wieder erscheinen. Meistens verschwinden sie, wenn sie den Koala gestreichelt haben. Das war sehr traurig zu hören, denn er erzählte uns, dass sie auf freiwillige Helfer angewiesen sind, um die Anlagen in Schuss zu halten und die Tiere zu füttern. So lange wollten wir eigentlich nicht bleiben, aber da es jetzt doch kurz vor 14 Uhr war, nahmen wir noch, als Einzige, die Fütterungstour des Equidna mit. Equidna ist ebenfalls ein nur in Australien heimisches Tier, das eine Mischung aus Igel und Ameisenbär ist, aber weder mit dem Einen, noch dem Anderen verwandt. Danach gingen wir noch zu den Dingos, wo gerade ein Jungtier frisch in die Station gekommen war. Dieses hing sehr an ihm und der Ranger unglaublich an den Dingos. Dazu muss man wissen, dass alle australischen Tiere von der Regierung geschützt wurden und nicht gejagt oder getötet werden dürfen, alle außer Dingos. Diese sind in freier Wildbahn oft für das Reißen von Schafen und Hühnern bekannt und werden daher oft von Farmern gejagt. Mittlerweile konnte bewiesen werden, dass sie eine eigene Rasse darstellen und weder vom Hund, noch vom Wolf abstammen, wie jahrzehntelang vermutet. Eine „Dingo Foundation“ kämpft für den Schutz von Dingos und deren Lebensraum, aber es ist wohl ein sehr schwerer und harter Kampf.

PotorooMix
Potoroo Kangoo Koala Wallaby Emu

Vincentia - Mallacoota - Lakes Entrance

Das Wetter blieb unverändert - Regen, Regen, Regen. Wir erreichten Vincentia, einen kleinen Ort an einem Landausläufer, umringt von Seen an der einen Seite und dem Meer an der anderen. Wir schliefen bei einem sehr netten Couchsurfer, tauschten Reiseerfahrungen und Musikempfehlungen aus und diskutierten über die Flüchtlingspolitik von Deutschland/Europa und Australien. Auch das war nur ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg nach Melbourne, denn bei dem Wetter und den kalten Temperaturen war uns nicht zum Verweilen zu Mute.
Der nächste Abend, die nächste Couchsurfingerfahrung. Wir fühlten uns zurück in die Vergangenheit versetzt, die wir aufgrund unseres jungen Alters nicht aktiv und bewusst erleben konnten. Bei der Suche nach der kostenlosen Übernachtung mussten wir immer sehr viele Personen anschreiben, denn meistens bekamen wir nur wenige Antworten auf unsere Anfrage zur Übernachtung, noch weniger mit einer positiven Nachricht. Dabei untergegangen war wohl die Couch eines älteren Herrn, in Frührente, der für sein Leben gerne Dinge sammelt und an Auktionen teilnimmt. In Mallacoota werden wir von einem kleinen Hund („Tilly“) begrüßt und das erste was wir im Hausflur der Wohnung sehen, ist eine riesige Flagge der DDR! Im Wohnzimmer finden sich ordentlich sortiert alte Uniformen, Mützen, Ehrenmedaillen und andere Requisiten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Wie sich herausstellte, sammelt und verkauft unser Gastgeber diese Dinge nachts bei eBay. Wir kochten zusammen und hatten interessante Gespräche bis wir erschöpft und auch etwas verwirrt, ob dieser Erfahrung, ins Bett fielen.

Mallacoota TipBeach
Mallacoota with SimonTilly
Nichtsdestotrotz nutzen wir in diesen Tagen jede (trockene) Chance rauszugehen, die Natur und die Küste, die wir uns doch explizit ausgesucht hatten, zu sehen. Simon, unser Sammler, wollte uns trotz des Regens am nächsten Morgen noch die schönsten Plätze in und um Mallacoota zeigen und so fuhren wir mit seinem Auto und Tilly durch die Gegend und an versteckte Buchten und Sandstrände. Tipp: wenn ihr mal hier seid, sucht den örtlichen Golfplatz, biegt auf die Straße ein, fahrt am Club vorbei (Achtung wilde Känguru-Herden) bis die Straße aufhört. Dort findet ihr einen verlassenen Strand und Wanderwege. Es gibt wie immer Toiletten und eine Barbecue Station zum Grillen.

Da es immer noch 500 Kilometer bis Melbourne waren quartierten wir uns noch eine Nacht in ein Motel in Lakes Entrance ein. Die Regenintensität ließ an Spaziergänge nicht denken und wir verbachten den Abend bei Tütensuppe und Wein in unserem Zimmer.

Am darauffolgenden Tag erreichten wir Melbourne. Das Wetter wurde zum Glück deutlich besser und wir freuten uns auf ein paar trockene und wärmere Tage mit einem gebuchten Bett im Hostel.
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(Stand 16. Jan. 2016)

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