Die ursprüngliche Entscheidung für die Strecke Sydney - Melbourne, entlang der Küste der beiden Bundesstaaten New South Wales und Victoria, war bei der Buchung im letzten Jahr noch nicht so ganz klar. Im Laufe der Zeit holten wir uns viele Meinungen und Erfahrungsberichte von Australien Besuchern ein und machten uns unsere eigenen Gedanken dazu. Natürlich empfehlen einem viele den Norden, die Goldküste oder das Great Barrier Reef. Wir wollten allerdings abseits der typischen Touristenstrecken unseren eigenen Weg entlang der Küste erkunden. Letztendlich entschieden wir uns, auch aus privaten Gründen dafür, nämlich um die Verwandten eines guten Freundes etwas südöstlich von Canberra (bei Bega) zu besuchen und etwas von dem lokalen australischen Leben und dessen Kultur hautnah zu erfahren.

Doch beginnen wir ganz am Anfang.

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(externer Link)



Blue Mountains und Jenolan Caves

Nachdem wir unseren Mietwagen am Flughafen abgeholt hatten, führte uns unser Weg als ersten Stopp in die Blue Mountains westlich von Sydney. Bekannt für die „Three Sisters“, gibt es doch weitaus mehr als nur diese Steinformation und deren Aussichtsplattform. Das Gebiet ist riesig und besteht aus kilometerlangen Gebirgsketten, steilen Abhängen, Wasserfällen, Wäldern und Wanderwegen verschiedener Dauer und Schwierigkeitsstufen. Wir fuhren in ein kleines verschlafenes Städtchen namens Katoomba. Unser erster Eindruck der Region war von riesigen Rauchwolken geprägt. An diesen Tagen wurden (mal wieder) einige Wälder, kontrolliert, abgebrannt um größere Brände im Hochsommer zu vermeiden. Wie wir im Laufe der Reise festgestellt haben, ist dieses regelmäßige Abbrennen der Wälder absolut normal und die gängige Praxis der Regierung.

Nach unserer Ankunft fuhren wir in das örtliche Besucherzentrum um uns eine Wanderkarte für den nächsten Tag zu besorgen. Am Abend lernten wir beim Kochen im Hostel wieder einmal zwei Deutsche kennen. Sie waren für ein Jahr auf Kiribati (eine Insel im Südpazifik) im Auftrag einer deutschen Kirchenmission und halfen dort als Lehrer und Betreuer in einer Schule aus. Auf ihrem Rückflug nach Deutschland durften sie noch eine Woche Urlaub in Australien verbringen. Für die Nacht waren Temperaturen um die null Grad angesagt. Vor ein paar Wochen hatte es in den Blue Mountains sogar noch geschneit! Alle Betten waren zum Glück mit Heizdecken ausgestattet und es gab weitere Wolldecken obendrauf. Dass die Australier es mit Heizungen und doppelglasigen Fenstern nicht so haben, hatten wir bis dato noch nicht ganz realisiert. Gefroren haben wir diese Nacht jedoch nicht.

Am nächsten Morgen ging es nach einem kräftigen Frühstück zum Start des großen Wanderweges „1000 Steps“ (1000 Stufen). An dieser Stelle befindet sich ebenfalls eine beliebte Touristenattraktion -die „Scenic World“. Wir schauten uns kurz um und waren interessiert an den Preisen. Man kann zwischen einer Seilbahnfahrt über den Abhang zur anderen Seite der Klippe, einer Seilgondel oder einem kleinen einspurigen Zug nach unten ins Tal wählen. Die Preise und der Touristenandrangs sind hoch. Besonders beliebt scheint dieses Ausflugsziel bei Asiaten zu sein. Wir starteten direkt neben der „Scenic World“ unsere Wanderung und entdeckten dabei immer wieder kleine und größere Wasserfälle (z.B. den „Witches Leap“ - witch = Hexe, leap = Vorsprung in einem Berg - Könnt ihr im zweiten Bild etwas in der Steinformation erkennen?), beeindruckende Ausblicke auf die Klippen und das Tal und eine sehr interessante Baum- und Pflanzenvielfalt. Unten angekommen trafen wir auf die Touristen der Gondelbahn und des Zuges. Gerne wären wir hier noch etwas weitergelaufen bzw. zu Fuß wieder nach oben gewandert, jedoch waren am unteren Ende (vielleicht bewusst?) keine Toiletten vorhanden. Somit entschieden wir uns, die Gondelbahn zusammen mit den anderen Touristen auf dem schnellen Weg (ca. drei Minuten) wieder nach oben zu fahren, was uns ca. 25€ kostete.

BlueMountains1
BlueMountains2
BlueMountains3
BlueMountains4
Wir hätten hier in dem Gebiet noch Stunden oder Tage mit Wandern verbringen können, doch wir hatten nur zwei Tage für die Blue Mountains eingeplant. Noch am Nachmittag fuhren wir ein Stück weiter zu den Jenolan Caves, den ältesten zugänglichen Kalksteinhöhlen der Welt (340 Millionen Jahre). Der Weg dorthin war länger als gedacht und abenteuerlich, denn er führte durch enge Serpentinen und an steilen Abhängen der Blue Mountains entlang. Jedoch war das Ziel die Reise wert, denn es gab insgesamt 11 von 20 erschlossenen Höhlen zu besuchen. Wir sahen unsere ersten Wombats und Kängurus, leider nur tot am Straßenrand. Wir erwischten eine der letzten beiden Führungen. Mit einer kleinen Touristengruppe und einem Führer ging es gegen halb sechs in die Unterwelt der „Chifley Cave“. Natürlich kennt man Tropfsteinhöhlen aus Deutschland (z.B. die Marienglashöhle oder die Feengrotten in Thüringen), doch das was wir hier gesehen haben, entsprach einer anderen Dimension. Mehrere aneinander und übereinander gelagerte riesige Höhlen gab es hier zu bestaunen. Wir wurden über Treppen und schmale Tunnelgänge durch mehrere Räume geführt. Die Führung ging viel zu schnell vorbei, während wir über die Entstehung der Höhlen und der verschiedenen Salzformationen aufgeklärt wurden. Der Führer hatte zwischendurch das Licht mehrfach auf eine Taschenlampe oder ein Feuerzeug reduziert, um zu zeigen, wie im 19. Jahrhundert die Höhlen erforscht und erste Führungen mit Touristen durchgeführt wurden.
Der Preis für eine Höhlenführung für einen Erwachsenen betrug 20€. Jede weitere Buchung ist um 50% reduziert. Direkt an den Höhlen ist es auch möglich zu übernachten. Das ermöglicht mehrtägige Höhlentouren. Weitere Infos findet ihr auf der oben genannten Webseite.

JenolanCaves
Einen großen Reiz hatte die angebotene Nachtführung von 20-22 Uhr, welche eine Tour durch verschiedene Höhlen abseits der üblichen Pfade und Geschichten über Geister und Legenden versprach. Doch nach dem anstrengenden und aufregenden Tag und der bevorstehenden Rückfahrt durch die Berge bei Dunkelheit konnten wir daran leider nicht mehr teilnehmen und machten uns wieder auf dem Weg zurück nach Katoomba.

Wollongong & Kiama

Für die nächsten Tage entlang der Küste war leider schlechtes Wetter angesagt. Es regnete fast durchgehend von früh bis spät und wir hielten uns mehr im Auto oder in Cafés auf um dem Regen zu entfliehen. Trotzdem versuchten wir Übernachtungen per Couchsurfing zu bekommen, was erstaunlich gut gelang.
Wir fuhren durch kleine beschauliche Küstenstädtchen wie Wollongong, Kiama oder Vincentia meistens mit langen Stränden, vielen Bars, Cafés und schönen Strandmeilen. Im Sommer bei entsprechenden Temperaturen sind diese Orte sicherlich sehr reizvoll.
Immer wieder verblüfft sind wir auch von den Öffnungszeiten von normalen Geschäften, sowie Cafés. Die meisten schließen (selbst am Wochenende) schon um 16 oder 17 Uhr. Bis auf Bars, Restaurants und Supermärkte ist dann in den Kleinstädten abends nicht mehr viel los und die Straßen wirken wie ausgestorben.
Wollongong hat eine wunderschöne Strandpromenade an deren Ende sich ein großer Leuchtturm befindet. Ein paar Kilometer weiter in  Kiama ist das Blowwhole an der Steilküste sehr zu empfehlen. Leider waren wir tagsüber bei zu wenig Seegang vor Ort, sodass leider kein Wasser empor spritzte.


onthewaytoTathra

Bega, Tathra und Potoroo Palace

In Bega hatten wir große Erwartungen an den Besuch der Käsefabrik „Bega Cheese Factory“. Leider wurden wir enttäuscht und fanden vor Ort lediglich ein sehr kleines Besucherzentrum vor. Werksführungen oder direkte Produktionsstättenbesichtigungen sind leider nicht möglich. Neben einem kostenlosen Museum zur früheren Käseherstellung, mit alten Ausstellungsstücken, gab es ein Café und die Möglichkeit alle verschiedenen Käsesorten zu verkosten. Die Auswahl war groß, denn die Fabrik stellt aktuell ca. zehn verschiedene Sorten her, davon sind aber nicht alle im Handel erhältlich. Wir probierten uns durch die angebotenen Sorten und entschieden uns letzten Endes für ein großes Stück der Vintage Heritage Sorte. Dieser glänzte mit einem kräftigen und würzigen Geschmack. Alle anderen Käsesorten waren uns leider zu schwach im Geschmack. Wie überall in Australien wird Käse üblicherweise nicht als Schnittkäse, sondern im 500g Block verkauft. Während unsere Zeit in Australien konnten wir ein paar dieser Blöcke probieren, leider schmeckt nichts davon nach richtigem Käse, wie wir ihn aus Deutschland kennen.

BegaCheesefactory
Danach fuhren wir nach Tathra um den Bruder eines unserer besten Freunde zu treffen, der eine Australierin geheiratet hat. Wir wurden herzlich von Steffen und Amy empfangen, kochten zusammen und genossen leckeren Wein den wir auf dem Weg in einem kleinen Weingut verkostet und gekauft hatten und der leider nicht außerhalb von Australien zu bekommen ist (Two Figs Winery). Den Abend verbrachten wir mit Quatschen und dem Brettspiel Domination, dessen Spielprinzip und Komplexität uns sehr begeistert hat. Nebenbei konnten wir sehr viele Fragen an Amy loswerden (u.a. zur Schuluniform, den langen Nummern auf Briefkästen, den Buchstaben „L“ und „P“ auf den Autos). Am nächsten Morgen hatte Amy glücklicherweise frei und wir nutzten die halbe Stunde, in der der Regen Pause machte und begaben uns auf einen kleinen Spaziergang durch Tathra. Es ist wunderschön verschlafen, hat nur eine Handvoll kleine Alltagsgeschäfte und eine tolle Bucht mit Sandstrand. Wir fuhren nachmittags erneut nach Bega, um die nächsten Tage zu planen und noch etwas fürs Abendessen einzukaufen. Der zweite Abend ähnelte dem Ersten sehr, es wurde gekocht (Pizza auf Polenta Teig und ein Zitronenkuchen mit Baiserhaube), diskutiert und weitere Spiele gespielt. Wir genossen die gemeinsame Zeit mit Amy und Steffen sehr und waren doch etwas traurig, dass wir schon am nächsten Morgen aufbrechen mussten.

TathraCoast
TathraCoast2
BalconyViewSteffenandAmy
FoodatSteffenandAmy
Nach einem leckeren Frühstück verließen wir Tathra und fuhren zum Potoroo Palace, einer bekannten Tierauffangstation der Region. Hier sollten wir nun endlich unsere ersten Kängurus, Koalas, Wombats und weitere in Australien heimische Tiere antreffen. Die Tiervielfalt war riesig. Es gab jede Menge Papageien, Emus, Dingos und natürlich jede Menge Kängurus und Wallaby‘s zu sehen. Wie ihr den Fotos entnehmen könnt, waren die Kängurus und Emus sehr an den Menschen gewöhnt und fraßen uns aus der Hand. Nur die Koalas und Wombats ließen noch auf sich warten und waren an diesem Tag nicht oder kaum sichtbar. Anfangs noch trocken brach plötzlich wieder ein Regenschauer los und wir flüchteten uns ins Café. Bei einem warmen Tee und nah am Ofen, zum Trocknen der Kleidung kamen wir so mit dem Eigentümer ins Gespräch. Leider scheinen immer wieder „Freiwillige“ ihre Hilfe anzubieten, die dann nach einem halben oder ganzen Tag nie wieder erscheinen. Meistens verschwinden sie, wenn sie den Koala gestreichelt haben. Das war sehr traurig zu hören, denn er erzählte uns, dass sie auf freiwillige Helfer angewiesen sind, um die Anlagen in Schuss zu halten und die Tiere zu füttern. So lange wollten wir eigentlich nicht bleiben, aber da es jetzt doch kurz vor 14 Uhr war, nahmen wir noch, als Einzige, die Fütterungstour des Equidna mit. Equidna ist ebenfalls ein nur in Australien heimisches Tier, das eine Mischung aus Igel und Ameisenbär ist, aber weder mit dem Einen, noch dem Anderen verwandt. Danach gingen wir noch zu den Dingos, wo gerade ein Jungtier frisch in die Station gekommen war. Dieses hing sehr an ihm und der Ranger unglaublich an den Dingos. Dazu muss man wissen, dass alle australischen Tiere von der Regierung geschützt wurden und nicht gejagt oder getötet werden dürfen, alle außer Dingos. Diese sind in freier Wildbahn oft für das Reißen von Schafen und Hühnern bekannt und werden daher oft von Farmern gejagt. Mittlerweile konnte bewiesen werden, dass sie eine eigene Rasse darstellen und weder vom Hund, noch vom Wolf abstammen, wie jahrzehntelang vermutet. Eine „Dingo Foundation“ kämpft für den Schutz von Dingos und deren Lebensraum, aber es ist wohl ein sehr schwerer und harter Kampf.

PotorooMix
Potoroo Kangoo Koala Wallaby Emu

Vincentia - Mallacoota - Lakes Entrance

Das Wetter blieb unverändert - Regen, Regen, Regen. Wir erreichten Vincentia, einen kleinen Ort an einem Landausläufer, umringt von Seen an der einen Seite und dem Meer an der anderen. Wir schliefen bei einem sehr netten Couchsurfer, tauschten Reiseerfahrungen und Musikempfehlungen aus und diskutierten über die Flüchtlingspolitik von Deutschland/Europa und Australien. Auch das war nur ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg nach Melbourne, denn bei dem Wetter und den kalten Temperaturen war uns nicht zum Verweilen zu Mute.
Der nächste Abend, die nächste Couchsurfingerfahrung. Wir fühlten uns zurück in die Vergangenheit versetzt, die wir aufgrund unseres jungen Alters nicht aktiv und bewusst erleben konnten. Bei der Suche nach der kostenlosen Übernachtung mussten wir immer sehr viele Personen anschreiben, denn meistens bekamen wir nur wenige Antworten auf unsere Anfrage zur Übernachtung, noch weniger mit einer positiven Nachricht. Dabei untergegangen war wohl die Couch eines älteren Herrn, in Frührente, der für sein Leben gerne Dinge sammelt und an Auktionen teilnimmt. In Mallacoota werden wir von einem kleinen Hund („Tilly“) begrüßt und das erste was wir im Hausflur der Wohnung sehen, ist eine riesige Flagge der DDR! Im Wohnzimmer finden sich ordentlich sortiert alte Uniformen, Mützen, Ehrenmedaillen und andere Requisiten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Wie sich herausstellte, sammelt und verkauft unser Gastgeber diese Dinge nachts bei eBay. Wir kochten zusammen und hatten interessante Gespräche bis wir erschöpft und auch etwas verwirrt, ob dieser Erfahrung, ins Bett fielen.

Mallacoota TipBeach
Mallacoota with SimonTilly
Nichtsdestotrotz nutzen wir in diesen Tagen jede (trockene) Chance rauszugehen, die Natur und die Küste, die wir uns doch explizit ausgesucht hatten, zu sehen. Simon, unser Sammler, wollte uns trotz des Regens am nächsten Morgen noch die schönsten Plätze in und um Mallacoota zeigen und so fuhren wir mit seinem Auto und Tilly durch die Gegend und an versteckte Buchten und Sandstrände. Tipp: wenn ihr mal hier seid, sucht den örtlichen Golfplatz, biegt auf die Straße ein, fahrt am Club vorbei (Achtung wilde Känguru-Herden) bis die Straße aufhört. Dort findet ihr einen verlassenen Strand und Wanderwege. Es gibt wie immer Toiletten und eine Barbecue Station zum Grillen.

Da es immer noch 500 Kilometer bis Melbourne waren quartierten wir uns noch eine Nacht in ein Motel in Lakes Entrance ein. Die Regenintensität ließ an Spaziergänge nicht denken und wir verbachten den Abend bei Tütensuppe und Wein in unserem Zimmer.

Am darauffolgenden Tag erreichten wir Melbourne. Das Wetter wurde zum Glück deutlich besser und wir freuten uns auf ein paar trockene und wärmere Tage mit einem gebuchten Bett im Hostel.
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kussmundCarsten & Franzi

Wie ihr sicherlich bemerkt habt, war es etwas ruhiger hier. Das lag vor allem daran, dass Internet auf Fiji nicht selbstverständlich, sehr langsam und richtig teuer ist. Einen Artikel mit Bildern hochzuladen war quasi unmöglich. Danach ging es direkt nach Sydney und wir hatten eine spannende erste Woche in Australien mit sehr vielen Aktivitäten. Jetzt verlangsamen wir unsere Reisegeschwindigkeit etwas und versuchen hier aufzuholen. Daher ab hier zwei Wochen zurückspulen: es ist Anfang August - Fiji!

Nadi und unsere fijianische Gastfamilie

Bula heißt eigentlich „hallo“ oder auch „Herzlich Willkommen“ wird aber auch in weiteren Lebenslagen verwendet, dazu später mehr. Nach einem 15 Grad runtergekühlten Flugzeug und elf Stunden Flug von LA kamen wir am Morgen des 2. August bei feuchtwarmen 22 Grad und Nieselregen in Nadi an. Nach kurzer Orientierung, Geld- und Telefonkartenbeschaffung machten wir uns mit dem Taxi auf den Weg zu unserer ersten Couchsurfing Unterkunft (Couchsurfing = kostenlose Unterkunft (Couch/Bett) bei einer Privatperson). Wie von unserer Gastgeberin Lei beschrieben, waren es vom Flughafen nicht einmal zehn Minuten bis zu ihr nach Hause. Es war erst kurz nach sieben Uhr, aber die 9 jährige Phoebe, einziges Mädchen unter fünf Kids, war zum Glück schon wach und zeigte uns erstmal den Garten, mit all den Mango-, Guaven- und Bananenbäumen und erzählte uns von der Familie und ihrem Zuhause. Circa eine halbe Stunde später trauten wir uns auch rein. Lediglich eine andere Couchsurferin aus Deutschland, Linda, nahm sich unserer an und zeigte uns Schlafplatz und wo wir alles finden. Teilweise schliefen alle noch oder ignorierten uns. Wir fühlten uns ein wenig fremd und fehl am Platz und nahmen dankbar den Vorschlag an, mit Linda nach Nadi zu fahren und dort ein wenig rumzulaufen und alles zu erkunden. 

Mit dem Minibus ging es innerhalb von zehn Minuten nach Nadi in die Innenstadt, ein erster Supermarktbesuch folgte und da es Sonntag war, nur ein kleiner Einblick in die lokalen Marktstände mit frischem Obst und Gemüse. Währenddessen erzählte uns Linda was sie seit ihrer Ankunft einen Tag vorher schon so wusste und erlebt hatte. Wir besuchten danach das Bula Festival, eine Art Rummel mit Fahrgeschäften, ein paar Ständen und jeder Menge lokalem Essen. Wir liefen ein wenig weiter durch die Stadt und hörten mit einmal aus einem Hinterhof wunderschöne Chorgesänge. Den Klängen folgend, fanden wir keine Kirche, sondern eher eine Art Turnhalle in der gerade ein Sonntagsgottesdienst lief. Ein sehr freundlicher Christ erklärte uns, dass dies der Gottesdienst vor der Sonntagsschule für die Kinder ist und lud uns (trotz unangemessener kurzer Hose und Outdoorklamotten) ein, uns zu setzen und ein wenig teilzuhaben. Es wurde die ganze Zeit gesungen und die Stimmung war einfach nur unglaublich. Man konnte die Freude und manchmal auch den Schmerz der Menschen fühlen.


Ansonsten war es auf den Straßen sehr ruhig, Sonntag ist eben absoluter Kirchentag. Daher bewegten wir uns in Richtung eines kleinen Tempels den es am Rande der Stadt geben sollte. Erstaunt stellten wir fest, dass Nadi wohl doch sehr klein ist und wir vielleicht nicht wie geplant für vier Tage hier bleiben werden. 

Am Sri Siva Subramaniya Swami Tempel angekommen waren wir positiv überrascht, alles war ganz bunt, der Tempel an sich aber übersichtlich und klein (laut Touristeninformation ist es jedoch der größte Hindu Tempel der südlichen Hemisphäre). Hosen sind für Frauen ein unangemessenes Kleidungsstück, daher einen Sarong (Tuch) um die Hüften, Schuhe aus und pitsch patsch durch die Pfützen. Eine nette Hindu erklärte uns die einzelnen Schreine und deren Bedeutung, genauso wie die wunderschöne Deckenbemalung des Haupttempels. Zum Glück waren Fotos von außen erlaubt und auch wenn es regnete, war dies ein wundervolles Farbenfest und für uns als Tempelneulinge etwas wirklich Besonderes.

Tempel Nadi
Es folgte ein neuer Versuch auf dem Bulafestival und wir waren auf der Suche nach etwas zu Essen. Wir schauten uns ein wenig die Fahrgeschäfte an und liefen etwas umher. Auf Fiji wird vor allem kohlenhydratlastig gegessen und viel Fleisch konsumiert. Es gab dann als gemeinsame Portion Nudeln, mit Fleischstück, mit Würstchen, mit Ei, alles übereinander geschichtet. 

Bulafestival
Linda erklärte uns, dass sie in Namaka ein Cafe für WLAN Zugang entdeckt hatte, welches aber relativ teuer ist. Auf der Busfahrt hatten wir ein McDonalds gesehen und entschieden uns es dort mit Internetzugang zu versuchen. Aus dem Nieselregen und der erfragten Viertelstunde zu Fuß wurden dann ein Dauerregen und mindestens 40 Minuten. Auch das mit dem Internet klappte nicht, da dieses schon lange nicht mehr funktionierte. Wir fuhren das letzte Stück nach Namaka wieder mit einem Minibus und es ging erstmal zurück zu Lei’s Haus, um trockene Sachen anzuziehen. Dort angekommen stießen wir auf noch zwei Couchsurfer, David und Cristina aus Spanien. Langsam fragten wir uns wo all die Menschen schlafen sollten und lernten nun endlich auch Lei, unsere Gastgeberin, kennen. 

Der Nachmittag und Abend verliefen ruhig mit lustigen Gesprächen und kennenlernen der ganzen Fijifamilie (Oma und Opa, die Zwillinge Raanan & Shiloh (2), Anzac (3), Phoebe (9), Elijah (10), Andy (Kindermädchen), Freunde der Familie). Die Großeltern hatten ihr eigenes Schlafzimmer, wir schliefen mit Linda zu dritt in einem Zimmer und David und Cristina bekamen das letzte Schlafzimmer. Der Rest der Familie schläft in einem Bereich des Wohnzimmers, der auch tagsüber immer mit Matratzen ausgelegt ist. Das Haus, Küche und auch Toilette und Dusche (nur Kaltwasser) sind einfach, aber alles ist einigermaßen sauber und wir fallen nur noch erschöpft ins Bett. Leider haben wir vergessen Fotos zu machen, aber unser spanischer Freund David hat zumindest ein paar gemacht, damit ihr die süßen Kids mal sehen könnt. Auch wenn nur einige von euch spanisch sprechen, könnt ihr mehr schöne Fotos von David und Cristina auf ihrem Blog sehen (auch sie machen eine Weltreise): Desde Mis Alturas. Muchas Gracias David.

David und Kids Fiji

Port Denarau und der Tourismus auf Fiji

Unser zweiter Tag auf Fiji verläuft relativ unspektakulär. Wir verbringen einige Zeit in dem Café, wo es Internet gibt, um mitzuteilen, dass wir gut angekommen sind. Aber vor allem um das weitere Vorgehen zu planen, da klar ist, dass vier Tage für Nadi zu viel sind. Am frühen Nachmittag machen wir uns mit dem Minibus auf nach Port Denaurau. Von hier gehen viele Fähren auf die Yasawa und Mamanuca Inseln. Diese Inselgruppen sind besonders beliebt bei Touristen, weiße Traumstände, Schnorcheln und Tauchen bis zum Abwinken und auch einige Filme wurden hier gedreht. Leider sind diese Inseln auch ziemlich teuer und Selbstverpflegung ist nicht gestattet, mal abgesehen davon, dass es meistens keine Supermärkte oder ähnliches gibt. Wir haben hierzu viel im Vorfeld recherchiert und uns gegen einen Inseltrip entschieden. Als wir Port Denarau sehen sind wir auch froh über diese Entscheidung. Alles ist sehr schön hergerichtet, neu und modern und eine große Hotelanlage an der nächsten. Dementsprechend sind auch die Preise in Cafés, Restaurants und Bars, und auch im einzigen Supermarkt. Dieser Hafen ist klein und wirklich nur als Ablegestelle anzusehen. Aktivitäten oder Sehenswürdigkeiten fehlen und sind wohl nur über teure Tagestrips zu bekommen. Auch gegen diese Touren entscheiden wir uns, denn Ausflüge kosten meist zwischen 40€ - 150€ pro Person, was für unser Budget einfach nicht geeignet ist. 

Auf dem Rückweg zum Bus entdecken wir noch ein paar einheimische kleine Vögel mit rotem Bauch und grünem Gefieder. Während ich gebannt auf dem Gehsteig liege und auf die Vögel warte, erklärt ein netter Marine Angestellter, dass es sich um den Vogel „Kula“ handelt und dieser besonders oft in Gebüschen und Hecken lebt. 

Kula2
Zurück in Namaka haben wir einen unerwartet schönen Abend. Lei hat für uns Couchsurfer gekocht und wir sitzen mehrere Stunden am Tisch zusammen. Sie erzählt uns über ihre Arbeit als Fluglotse am Flughafen, über Fiji und gibt uns einige Tipps, was man noch so auf der Hauptinsel, Viti Levu, machen kann. Vom Essen gibt es leider wieder keine Fotos, aber es gab Berge von Kasava und Yams (Kasava ist die einheimisch Kartoffel und von der Konsistenz auch ähnlich, Yams ist ein Wurzelgemüse) mit drei verschiedenen „Soßen“: Fisch in Kokosnusswasser, Hühnchen mit Papayasoße und scharfes Rindfleisch. Traditionell isst man übrigens mit den Fingern. 

Sigatoka und die Sanddünen

Wir hatten ein Hostel für den nächsten Tag gebucht und reisten somit vormittags ab. Von Nadi gab es einen Expressbus nach Sigatoka. Das Städtchen selbst war sehr klein, es gab nur das Zentrum rund um den Busbahnhof, mit einem kleinen Markt und ein paar Geschäften. Wir wollten hier in Sigatoka die Sanddünen besuchen, die 1987 zum Nationalpark erklärt wurden. Wir beschlossen zu den Dünen zu laufen, mit Backpack, es sollten ca. 30 Minuten zu Fuß sein. Unterwegs fragten wir mehrfach Einheimische ob wir in die richtige Richtung laufen. Man erklärte uns, dass es noch ein Stück zu laufen sei und es auch einen Minibus gibt. Dieser kam aber nicht, sodass wir trotz Anstrengung weiterliefen. Mehrfach wurden wir von Taxis angehupt oder Fahrzeuge stoppten, um zu fragen, ob sie uns (gegen Bezahlung) mitnehmen sollten. Wir waren mittlerweile eine gute dreiviertel Stunde unterwegs, als ein langsam fahrender Pick-Up Truck mit Bänken an uns vorbeikam. Ich sagte zu Carsten, wenn der anhält und fragt, dann fahren wir mit. Ihr könnt euch ja denken, was passierte. Beim Einsteigen fragte der Beifahrer noch nach 1-2 Fiji Dollar, aber beim Aussteigen waren beide total nett, plauderten kurz mit uns und wünschten uns dann noch eine gute Reise. Wir waren nicht einmal fünf Minuten mit dem Auto unterwegs und hatten nichts bezahlt. 


IMG 1493
Der Nationalpark liegt unscheinbar an der Straße, aber es gab ein gutes Informationszentrum mit Toiletten und auch ein paar Snacks und Wasser. Wir erhielten eine kleine Wanderkarte mit vielen Optionen und Routen und entschieden uns für die große Tour, die ca. zwei Stunden dauern sollte. Wir trafen eine deutsche Praktikantin, die uns gemeinsam mit ihrem Kollegen ein wenig zur Geschichte des Nationalpark erzählte. Die Dünen sind eine wichtige Anlaufstation für Archäologen, da hier mehrfach ca. 2.600 Jahre alte Ton- und Keramikwaren gefunden wurden und auch aktuell wieder Ausgrabungen laufen. 

Wir füllten unsere Wasservorräte auf, durften unsere Backpacks im Büro der Ranger lassen und machten uns auf den Weg durch Regenwald, Wiesen, vorbei an einem einheimischen Dorf zu den Dünen. Ab hier gab es keine gekennzeichneten Wege mehr, nur ein Schild „This way up ->“ („Hier nach oben laufen“). Ich meuterte, weil ich mit jedem Schritt mehr im Boden versank und gefühlt überhaupt nicht den Berg hochkam. Stattdessen sammelte ich einfach nur Sand in meinen Schuhen und kroch auf allen Vieren nach oben. Carsten schaffte es mit Motivation, Ziehen und Schieben mich auf die Düne zu bringen und trotz ekligem Wind, mit fiesen Sandkörnern am ganzen Körper, wurden wir mit einem traumhaften Ausblick belohnt. 

Sigatoka Dschungel

Sigatoka Strand
Danach ging es direkt am Strand entlang und wir entdeckten ein paar schöne Holztipis, die Studenten als Unterschlupf gebaut hatten. 

Sigatoka tipi sanddunes
Nach ca. drei Stunden waren wir zurück in Sigatoka auf dem Markt und besorgten unsere erste Kokosnuss. Wir machten noch etwas Pause und beobachteten die Einheimischen, die gerade Feierabend machten und die Kinder, die Schulschluss hatten. Genau wie wir ruhten sie sich zum Entspannen auf einem Grünstreifen mitten in der Stadt aus. Danach ging es weiter im Bus zu unserem ersten Hostel auf Fiji. Die nächsten Tage waren Strand und Entspannen angesagt, dazu später mehr.

carsten coconut
Bei Fragen zu Fiji meldet euch gern per Kommentar. Teil 2 folgt in Kürze, also bleibt dran.

kussmundFranzi

 

 

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Wir sind Carsten und Franzi und sagen "Herzlich Willkommen" beim Scheibenknutscher. Dies ist unser Weltreise Blog. Mehr Infos gibt es hier: Über uns.

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Unnütze Fakten

Anzahl bereister Länder seit Start: 11

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Flugzeit in Stunden: 72,12 (3 Tage)

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unterwegs getroffene Reisende: 72

Fremde schießen Fotos von Carsten: 20x

Tastings (Bier, Whiskey, Wein): 19

Café Besuche für Blog und Recherche: 124
(Starbucks: 39, Burger King: 5, andere: 80)

 

(Stand 16. Jan. 2016)

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